Allgemein, Diary

Bad Segeberg

Die letzte Nacht war anstrengend und daran bin ich wohl selbst Schuld. Ab heute beginnen die Eintragungen für die neuen Kurse des kommenden Semesters. Wie ich ja bereits berichtete stehen nun die Vertiefungen an. Anders als manche Leute habe ich mich tatsächlich auch nur für eine Vertiefung entschieden, die ich früher eigentlich für mich ausschloss. Aber nachdem ich jetzt reflektiert habe und mich entschieden habe, endlich mal zu machen, was mich auch interessiert, werde ich mich nun im kommenden Semester mit der Kultur- und Medienbildung befassen. Leider gibt es in der Vertiefung ein paar Kurse, in die nur wenige Leute reinkönnen. Die Maximalanzahl ist hier begrenzt. Unter anderem gibt es ein Modul, welches sich mit Kunst befasst und Kunst… naja, ist nicht so meins. Also habe ich im Voraus geschaut, welche Kurse zeitlich und inhaltlich zu ertragen sind und bin dabei auf einen Kurs gestoßen, der zwar dafür sorgt, dass ich mal wieder eine 5-Tage-Woche habe, in dem ich allerdings auch Ausflüge mache. Das Problem: Es können nur 15 Personen teilnehmen. Alle anderen noch angebotenen Kurse passen mir zeitlich oder inhaltlich nicht. Bei den meisten müsste ich einmal die Woche bis 20:00 Uhr in der Uni bleiben und genau das ist ja der Grund, warum ich die andere Vertiefungsrichtung abgelehnt habe.

Seit gestern Abend war ich mir also höchst bewusst, dass heute die Anmeldungen starten. Gegen 21:30 Uhr huschte ich mit starken Kopfschmerzen ins Bett und stellte den Wecker genau auf 0:00 Uhr. Ja, ich bildete mir ein, unsere Uni würde vielleicht automatisch das neue Vorlesungsverzeichnis zum Anmelden freischalten. Jaaa ^^ letzten Endes bin ich umsonst um Mitternacht an den Laptop gegangen. Aber danach war meine Nacht quasi im Arsch. Diese Anmeldung beschäftigte mich so sehr, da ich ansonsten einen oder gar zwei Kurse im letzten Semester machen müsste, dass ich ab da etwa stündlich hochschreckte, weil ich gerade geträumt hatte, dass das Portal geöffnet sei. Schließlich sah ich vor einer guten halben Stunde nochmal nach. Auf dem Qis-Portal, auf dem man Bescheinigungen erhält und seine Noten einsehen kann, stand das Semester immer noch auf Sommer 2017, aber Stud.IP wurden tatsächlich bereits die ersten Kurse eingestellt. Zu dem wichtigsten Kurs, dem mit nur 15 Plätzen, konnte ich mich auch bereits anmelden (als einzige bin ich da jetzt drin). Allerdings sind alle anderen bis 8:00 Uhr gesperrt. Läuft super. Immerhin muss ich am Wochenende nirgendwo hin und kann mir noch eine Mütze Schlaf holen.

Aber das soll gar nicht der Hauptinhalt meines Posts werden!


Ich war mit meinen Eltern und meinem Onkel und meiner Tante im Urlaub. Wir, oder besser ich, hatten uns eine Ferienwohnung in der Nähe von Bad Oldesloe gemietet, um von dort einige Ausflüge zu machen. Zwar waren wir nur für drei Tage da, aber gelohnt hat es sich alle Male, obwohl ich nicht immer dieses Gefühl hatte.

Am Mittwochmorgen brachen wir Richtung Norden auf. Viel zu früh, aber mir wollte ja keiner glauben. Es war noch relativ kühl und je näher wir der Weser kamen, desto diesiger wurde es. Aber alles sprach für einen wunderschönen Tag. Tatsächlich klarte es immer weiter auf und es wurde zunehmend wärmer und sonniger. Nach anderthalb Stunden hielten wir an einer Raststätte. Die Hälfte des Weges hatten wir ohne irgendwelche Schwierigkeiten zurückgelegt und es war gerade mal halb 10. Mir war schon vorher klar gewesen, dass wir viel zu früh ankommen würden, wenn wir erst ab 14:00 Uhr in die Wohnung könnten. Um kurz nach 11:00 Uhr kamen wir dann auch an. Nach einem kurzen Anruf war dann auch klar, dass mein Onkel und meine Tante auch bald da sein würden. Also vertraten wir uns noch ein bisschen die Beine. Natürlich war die Stimmung im Auto inzwischen auf dem Tiefstpunkt. Die Ferienwohnung lag in einem kleinen, idyllischen Dort mit einem recht großen See. Eigentlich sehr schön, aber mein Vater war kaum angekommen, schon murrte er, ich hätte eine miese Wohnung rausgesucht. Und auf sowas reagiere ich wiederum sehr zickig. Schließlich trudelten mein Onkel und meine Tante ein und wir entschieden uns, picknicken zu gehen. Der See war wirklich nur gegenüber der Wohnung, also setzten wir uns dort ans Ufer und aßen etwas. Also meine Eltern und ich aßen etwas. Mein Onkel und meine Tante hatten extra vorher an einer Raststätte angehalten, um zu Mittag zu essen, obwohl wir etwas anderes besprochen hatten. Hier war also schon die nächste kleine Krise.  Da wir noch immer mehr als anderthalb Stunden Zeit hatten, umrundeten wir bei wundervollem Wetter den kleinen See. Überall waren Mini-Frösche. Ich fand es großartig.

 

Nachdem auch das mehr als ausreichend erledigt war, durchquerten wir noch einmal das kleine Dorf. Letzten Endes war es dann zehn vor, als wir uns entschieden, doch zur Wohnung zu gehen. Das sind die preußischen Werte. Lieber fünf Minuten (und mehr waren es wirklich nicht, bis wir ankamen), als zu spät. Das sah unsere Gastgeberin aber ganz anders! Die war vollkommen schockiert, dass wir schon da waren und verfrachtete uns noch in die pralle Sonne im Garten. Alles halb so wild. Auch, dass wir letzten Endes eine Dreiviertelstunde noch warten mussten. Gut, ich war dann irgendwann auch pissig. Schließlich war sie uns gegenüber so unhöflich gewesen und dann brauchte sie selbst noch um einiges länger die Wohnung herzurichten. Warum? Keine Ahnung. Sie hatte nicht mal Staub gesaugt. Immerhin konnte ich das halbwegs für mich behalten. Mein Vater und mein Onkel allerdings nicht. Die schimpften und meckerten die ganze Zeit.

Viertel vor drei durften wir dann unsere Sachen reinbringen. Die Wohnung war wie beschrieben, die Bettenverteilung stimmte und sorgte trotzdem für Gemecker. Und was meine Mutter am meisten störte: es gab keinen Eierkocher! Gott, wir sind so verwöhnt.

Irgendwann bekam ich sie dann alle dazu, sich fertig zu machen. Ich wollte den ersten Tag nicht einfach in der Wohnung rumgammeln. Wir hatten nur zwei ganze Tage (ein voller und zwei halbe) und der eine Tag war bereits durch meine Mutter und meine Tante verplant. Also machten wir uns auf nach Bad Segeberg, um dort ins Noctalis zu gehen, einem Fledermauszentrum mit Zugang zur Kalkberghöhle. Ich fand es sehr interessant und ich liebe Höhlen. Ich hatte zwar die falschen Schuhe an, aber ich fand es toll, wenn immer wieder Fledermäuse über meinen Kopf wegschossen. Leider durfte ich keine Bilder machen. Naja, mein Onkel und mein Vater fanden es nicht so toll. Wieder wurde gemeckert und ich fragte mich, warum sie überhaupt mitgekommen waren, wenn sie das doch gar nicht besichtigen wollten. Damit wurde leider auch meiner guten Laune ein Dämpfer verpasst. Einfach ärgerlich!

Anschließend gingen wir lecker essen in der Innenstadt von Bad Segeberg und ich bekam meine Urlaubschampignon. Ich liebe frische Champignon. Das Essen war sehr üppig, aber sehr lecker. Im Hinterkopf fragte sich allerdings eine kleine Stimme, wie viel ich wohl an den drei Tagen zunehmen würde. Spoiler Alert: ein halbes Kilo, welches aber wohl eher an Wassereinlagerungen lag. Meine drei Liter schaffte ich einfach nicht pro Tag. Danach ging es zurück in die Wohnung, wo wir uns noch bis etwa 22:00 Uhr unterhielten. Danach wollte meine Tante Big Brother gucken und da ich in dem Raum schlief, musste ich wohl oder übel mitgucken.

An Tag 2 wurde ich etwa um 6 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Da mein Bett im Wohnzimmer stand, das in eine offene Küche übergeht, war ich natürlich sofort hellwach als mein Onkel sich seine erste Tasse Kaffee kochte. Aber das war okay. Natürlich war ich wach, aber ich wusste ja, dass es nur zwei Morgen waren und ich danach wieder in meinem Bett aufwachen würde. Beim Frühstück begann dann auch schon die Diskussion, was wir machen wollten. Meine Mutter und meine Tante wollten nach Lübeck, das Holstentor besichtigen und zum Fabrikverkauf von Niederegger Marzipan. Da ich Marzipan liebe, war meine Abneigung nicht sonderlich groß. Auch nicht die meines Vaters. Sehr wohl aber die meines Onkels. Der hasst Marzipan nämlich über alles. Ich hatte auch noch einen Tierpark rausgesucht, den wir besuchen könnten. Aber da er in einer anderen Richtung lag, konnten wir alles nicht an einem Tag machen. So gab ich mich geschlagen und wir fuhren nach Lübeck. Die Stadt war nicht sonderlich nach meinem Geschmack. Ich machte schöne Bilder, wir gingen durch die Straßen, ins Niederegger Café und fuhren schließlich noch zur Niederegger Fabrik, wo wir bitter enttäuscht wurden. Im Marzipanspeicher gegenüber vom Holstentor hatte es Angebote gegeben, aber wir dachten, im Fabrikverkauf würde es wahrscheinlich noch günstiger sein. Nö. Die Auswahl war geringer und die Preise höher. Tja, unser Pech. Um halb 2 picknickten wir schließlich bereits auf dem Rückweg nach Bad Segeberg wieder.

Mein Onkel und mein Vater waren mal wieder am Nörgeln. Aber das war ja nichts Neues. Auf die Schnelle fand ich dann noch einen Erlebniswald, in den wir für den Nachmittag gefahren sind. Aber nach circa einer halben Stunde setzte sich mein Onkel ab, weil ihm der Rücken weh tat.

Nach der Rückfahrt nach Bad Segeberg gingen wir erstmal auf Parkplatzsuche. Die Gemüter waren erhitzt. Es wurde viel gemeckert, aber letzten Endes fanden wir einen guten Platz und machten uns dann auf den Weg Richtung Freilichtbühne. Dort aßen wir erstmal in Ruhe zu Abend, bevor es dann in Old Surehand gingen. Alles andere kann von Gemecker überschattet werden, aber dieses Erlebnis war grandios. Allein deswegen hat es sich gelohnt. Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass es so toll sein würde. Ich freue mich sehr darüber, dass ich einige sehr schöne Bilder machen konnte.

Am Freitag morgen reisten wir dann ab und aßen fast Zuhause in einem Restaurant zum Mittag. Und dann war auch schon der Urlaub vorbei. Meiner Ansicht nach hat er sich aber gelohnt.

eure-claudia

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Urlaub

Nach fünf Jahren oder eher sieben, wenn man die Katastrophe an der Nordsee mit meinen Eltern raus lässt, die wir letzten Endes nach ein paar Tagen abgebrochen haben, fahre ich dieses Jahr endlich mal wieder in den Urlaub! Und dann gleich zwei mal.

Ich freue mich so sehr. Das sind jetzt insgesamt neun Tage, auf die ich mich richtig freuen kann. Ich denke, genau das brauche ich mal.

Heute bin ich endlich mal wieder aufgewacht ohne traurig zu sein. Das ist wirklich eine Seltenheit. Obwohl es mir psychisch die meiste Zeit nicht schlecht geht, wache ich dennoch fast jeden Tag mit einem gequälten Gefühl auf. Es ist nicht so, dass ich verfluche, dass ich überhaupt wach werde und den Tag überstehen muss. An den meisten Tagen wird mir früher oder später bewusst, dass es im Grunde nichts gibt, das mir dieses Gefühl geben sollte. Dass es mir eigentlich gut geht und ich sogar eine eher rosige Zukunft vor mir habe, die natürlich Hürden enthält, in der ich aber meinen Platz finde. Meistens geht es mir dann langsam besser. Im Moment muss ich mich mit Hausarbeiten herumschlagen. Drei Stück an der Zahl. Eine ist bereits fertig, an der zweiten sitze ich zur Zeit und plane, bis Anfang nächsten Monats damit durch zu sein. Dann hätte ich die beiden größten Hausarbeiten beendet und müsste „nur“ noch zehn Seiten schreiben. Es ist zu schaffen und ich weiß, dass ich mich unnötigerweise unter Druck setze. Aber ich möchte halt auch noch etwas von den Semesterferien haben und möglichst die Arbeiten nicht an drei Tagen herunter schreiben. Ich weiß, dass ich das kann, aber ich weiß auch, dass ich vorsichtig sein muss.

Nächste Woche ist mein erster Urlaub. Es sind zwar nur drei Tage, aber ich kann es kaum abwarten. Leider befürchte ich, dass das Wetter nicht perfekt sein wird. Ich hatte ja die Hoffnung, dass es noch einmal so warm wird, dass ich im nahe gelegenen See eine Runde schwimmen könnte. Von der Idee werde ich mich wohl leider verabschieden müssen. Sehr schade. Aber noch steht ja nichts richtig fest und heute ist es zum Beispiel auch ziemlich warm. Mal schauen. Es wäre schön.
Wir fahren nach Bad Oldesloe und besuchen an einem Abend die Karl-May-Festspiele. Ich kann gar nicht beschreiben wie sehr ich mich darauf freue. Als Kind waren wir häufig dort, aber dann wurde unser Geld knapp und wir mussten uns etwa seit meiner Einschulung vom Urlaub verabschieden. Bis zum Beginn meines Studiums waren wir dann noch zwei Mal weg. Einmal an der Müritz und einmal an der Nordsee. Letzterer Urlaub war eine Katastrophe. Ich war da einfach noch nicht wieder soweit mit meinen Eltern Zeit zu verbringen.
Mal sehen, was wir sonst noch machen. Auf dem Plan steht auf jeden Fall schön Essen gehen. Ich habe mir auch die ganze Woche bei der Arbeit frei genommen, obwohl ich auch Montag und Dienstag hätte arbeiten gehen können.

Danach habe ich dann noch fünf Wochen, um meine Hausarbeiten zu beenden und abzugeben, bevor ich Anfang Oktober dann mit einer Freundin nach Dänemark fahre *freu*!!!! Ich war noch nie in Dänemark und wir haben uns extra etwas herausgesucht, was sowohl nah an der Natur ist als auch Kultur beinhaltet. Und dafür bezahlen wir auch nicht so viel. Natürlich wird es erstmal eine Herausforderung für mich sein, die mich zum einen jetzt schon etwas nervös macht, zum anderen mir aber auch gefällt. Wir werden nämlich mit dem Auto fahren. Sieben Stunden! Ihr wisst, ich bin keine Fahrerin, die sich einfach ohne nachzudenken hinters Steuer setzt und dann dahin fährt, wo auch immer sie hin will. Ich habe Zeit gebraucht, überhaupt wieder zu fahren und das Weiteste war bislang eine Stadt, die aber im gleichen Bundesland liegt. Deswegen wird es in dieser Hinsicht definitiv eine Herausforderung, auf die ich mich aber auch sehr freue. Ich bekomme das hin. Und dann werden wir sechs wundervolle Tage dort haben.

Aber jetzt erstmal muss ich mich wieder an meine Hausarbeit setzen. Sonst wird es am Ende doch etwas enger ^^

Alles Liebe,
eure-claudia

Allgemein

Achtung: Dieser Blogeintrag repräsentiert lediglich die Gefühlslage und das Empfinden eines einzigen Tages und sollte daher nicht auf die Gesamtsituation verallgemeinert werden.


Was stimmt denn nur mit mir nicht? Da lerne ich einen netten jungen Mann kennen, nur ein paar Jahre älter als ich, mit ähnlichen Vorlieben und Träumen wie ich und was ist? NICHTS! Gar nichts. Ich bin mir sicher, würde ich ihm nur eine Chance geben, könnte er mir gefallen und ich könnte mich vielleicht sogar in ihn verlieben. Aber ich weigere mich. Nicht absichtlich. Nein. Es ist mehr unbewusst. Ich bemerke, dass mir das nicht genügt. Dass ich nicht so eine Beziehung haben möchte. Ich habe ihn über eine Datingapp kennen gelernt und wir schreiben inzwischen schon ein paar Wochen miteinander, wollen uns auch bald treffen; er wohnt nicht weit von mir weg. Aber ich will nicht. An einem Tag gefielen mir seine Ansichten nicht und beinahe hätte ich ihm schon da den Laufpass gegeben, bevor überhaupt etwas gewesen ist. Es liegt nicht wirklich an ihm. Er ist wirklich nett, witzig, offen, sieht auch gar nicht so übel aus. Aber – ja, ich weiß, alles was vor einem Aber kam, ist Müll – ich möchte nicht so etwas haben und das ist dämlich. Denn ich sehne mich nach dieser Liebe, die ich schon so lange nicht mehr empfinde. Diese Art von Verknalltheit, die einen verrückte Dinge tun lässt. Diese Art von Verliebtheit, bei der man nachts nicht schlafen kann, weil man an ihn denkt und ihn vermisst. Diese Art von Verliebtheit, bei der nur er zählt. Gibt es das überhaupt noch? Ich habe das schon so lange nicht mehr empfunden und bin deswegen wohl überhaupt erst den Schritt gegangen, das mit der Datingapp zu probieren. Kann es sein, dass es diese Art Verliebtheit nur gibt, wenn man am Heranwachsen ist? Ich weiß noch, wie schnell ich mich verknallt habe. Früher. Jetzt nicht mehr. Liegt es an mir? Liegt es daran, dass ich enttäuscht wurde und deswegen nicht mehr reagiere? Oder ist es normal, dass man sich weniger verknallt, wenn man älter wird? Ich weiß darauf keine Antworten und deswegen bin ich verunsichert und nicht sonderlich glücklich.

Wenn ich heute Abend ganz tief in mich hineinhöre, bin ich nicht sonderlich glücklich. Und das, obwohl es in der Uni ganz gut läuft, eine gute Freundin von mir zurück ist und ich mich mit meinen alten Freunden für nächste Woche verabredet habe. Es kommt mir vor, als würden sich alle um mich herum bewegen, ich dagegen stehe still. Meine eine Freundin kommt gerade nach zwei Jahren aus Amerika zurück und plant bereits ihre Rückkehr dorthin in ein paar Monaten. Sie sagt selbst über sich, dass sie sich dort gefunden hat und jetzt weiß, wer sie ist. Eine andere Freundin hat eine Ausbildung gemacht, währenddessen eine unglaublich tolle Figur bekommen und auch noch die Liebe ihres Lebens getroffen. Dann wären da noch die Unterhaltungen auf der Arbeit. Oft geht es darum, dass die Kollegen über Leute lästern, die noch Zuhause bei ihren Eltern wohnen. Und an Abenden wie diesen bereue ich es auch zutiefst. An Abenden wie diesen, an denen meine Eltern bei einem Geburtstag tief ins Glas gesehen haben und sich gegenseitig laut und wegen Nichtigkeiten anzicken. An Tagen wie diesen, an denen mir meine Mutter vorhält, ich sei ja vor allem diejenige, die von der Renovierung des Badezimmers oben profitieren wird, weil meine Schwester ja bald auszieht und ich dann die Etage bekomme. Ich sehe es ja ein, dass es – zumindest jetzt gerade während des Studiums – vernünftig ist, nicht auszuziehen. Das Pendeln entspannt mich manchmal sogar. Ich kann bei der Arbeit genau so Schluss machen, dass ich keine fünf Minuten auf den Zug warten muss. Das geht alles. Gerade jetzt, wo ich nicht weiß, ob ich weiter BAföG bekomme, ist es gut, dass ich überschaubare Kosten habe. Und wenn ich ehrlich bin, reizt mich Hannover im Moment gar nicht mal mehr so sehr als Wohnort. Aber in einem Jahr wahrscheinlich werde ich auch einen Master haben und mich dann nach einem Job umsehen. Und wenn ich ehrlich sein will, ist es mir nicht recht, dann Zuhause zu wohnen. Ich finde es schön, immer ein Zuhause zu haben, wo der Platz vorhanden ist, mit Kind und Kegel zu leben. Ja, wirklich. Aber an manchen Tagen fühle ich mich wie erdrückt. Von meiner Familie, den Launen meiner schwangeren Schwester, den Pflichten, Regeln und Vorstellungen, denen ich mich beuge. Ich richte mich danach, was meine Eltern von mir erwarten könnten. Irgendwohin fahren? Hmm, was halten meine Eltern wohl davon? Ich brauche gar nicht lange darüber nachdenken. Die Antwort lautet fast immer nichts.

Heute ist einfach nicht mein Tag. Hoffen wir mal, dass es bald besser wird.

Liebe Grüße,

eure-claudia

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Vier Monate (Achtung: TW)

Ich nutze jetzt gerade mal diese Zwischenzeit um zu schreiben. Gerade habe ich zu Abend gegessen und will mich gleich wieder ans Lernen machen.

Vier Monate gingen herum wie im Flug. Ich hatte das nicht erwartet, aber es ist tatsächlich soweit. Am Donnerstag war mein letzter offizieller Unitag in diesem Semester. Kommenden Freitag folgt noch eine Klausur und anschließend muss ich noch drei Hausarbeiten schreiben. Ich weiß, das ist eine Menge, aber ich schaffe das. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich mehrere Hausarbeiten schreiben musste. Das ist schon okay. Und dann ist mein erstes Jahr vom Master auch schon vorbei. Halbzeit. Krass. Anschließend folgt die Vertiefung. Anders als im Bachelor ist diese Vertiefung eine eher feste Sache und nur wenige machen Kurse aus mehreren Vertiefungen. Aus diesem Grund gehen viele von uns jetzt getrennte Wege. Ich freue mich tatsächlich auf das nächste Semester. Es wird anstrengend werden und ich musste meine relativ feste Entscheidung doch nochmal über Bord werfen. Tja, teilweise blöd, teilweise wumpe.

Eigentlich war es geplant, dass ich die Vertiefung „Pädagogisches Fallverstehen“ wähle. Ich hatte mit jemandem aus der Personalabteilung der Bundesagentur für Arbeit damals bei meinem Assessment Center gesprochen und er hatte mir nahe gelegt, ich solle in diese Richtung studieren und dann – statt über ein weiteres Studium bei ihnen – gleich den Direkteinstieg wagen. Das hatte ich mir als Ziel gesetzt. Naja, als erstes Ziel. Es haben mir genug Leute gesagt, ich solle mir das nochmal überlegen. Aber da es nicht meine Endstation sein soll, würde ich das vollkommen in Ordnung finden.

Nun ist es aber leider so, dass der Stundenplan für mich ein No Go darstellt. Ich werde weiter pendeln und kann es mir nicht vorstellen, dann so einen Pendler-unfreundlichen Wochenplan zu haben. Und wenn ich ehrlich sein soll… Obwohl mir die Methode relativ gut gefällt und ich qualitative Methoden generell lieber mache ( –> ich mag es, richtig mit Menschen zu reden, anstatt ihnen nur Fragebögen vorzulegen oder sie fest abzufragen), sprechen mich die Kurse nicht an. Fast alle beziehen sich auf die Objektive Hermeneutik. Heißt: in fast allen Kursen werden Dialoge Wort für Wort durchinterpretiert und dabei jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Ich kenne genug Menschen, die das so schon tun 😀
Wie dem auch sei, ich musste mich jedenfalls nochmal hinsetzen und mir alle Stundenpläne ansehen. Ursprünglich wollte ich „Erwachsenenbildung“ machen. Deren Stundenplan ist auch ein Traum. Aber nach dem Reinfall mit meiner Hausarbeit in dem Bereich muss ich zugeben, dass ich Angst davor habe, wieder zu verkacken. Ich bekomme ja im Moment schon Albträume, wenn ich an die kommenden Hausarbeiten denke. Auch in den anderen Vertiefungen müssen Hausarbeiten geschrieben werden, aber wenigstens nicht bei der Dozentin, bei der ich so verkackt habe. Dann gibt es in dieser Vertiefung noch zwei weitere Dozenten, wovon der eine mein alter Tutor aus dem Bachelor ist. Auch auf die Gefahr hin, dass ich aufgezogen werde, ich fühle mich total unwohl. Es ist einfach komisch von einer eher persönlichen Ebene auf die professionelle zu wechseln. Natürlich könnte ich das, aber das Gefühl bleibt, dass ich mich nicht wohl fühle.

Damit ist diese Vertiefung auch schon abgehakt. Als nächstes ist da eine Vertiefung, die meine Freundin wählt. „Berufs- und Betriebspädagogik“. Mein Bruder will unbedingt, dass ich das mache, damit ich anschließend als Coach bei ihm in der Firma arbeiten kann. Fragt mich nicht, warum er das will. Wir sind die meiste Zeit wie Hund und Katze. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er es genießen wird, wenn ich dann den gleichen Freundeskreis habe wie er. Vorteile wären da, würde ich tatsächlich genommen werden. Auch ein paar meiner Freunde arbeiten bereits dort. Unter anderem mein früherer bester Freund. Aber das bin ich nicht und kann es mir auch überhaupt nicht vorstellen. Die Dozenten sind vollkommen okay. Ich mag einige davon und auch die Studienleistungen, die wir bei diesen Dozenten erbringen mussten, sind vollkommen in Ordnung und können sogar Spaß machen. Aber es spricht mich nicht an und ich würde mir komisch vorkommen, das zu wählen. Als würde ich Leuten hinterherdackeln und auf eine Zukunft setzen, die eigentlich noch in den Sternen steht.

Und dann gibt es noch eine Vertiefung, die mir versucht wurde – so kam es mir jedenfalls vor – auszureden. Es geht um Kultur und Medien. „Claudia?!“ werdet ihr jetzt sagen. „Das ist doch genau deins.“ Naja, jedenfalls diejenigen von euch, die mich schon länger begleiten. Und tatsächlich bin ich das so sehr, dass es eigentlich lustig ist, dass ich darüber nachdenken muss. Beide Themenbereiche treffen mich mitten ins Herz und vereinen die zwei großen Punkte, aus denen ich bestehe. Diese Vertiefung wird vom Institut für Pädagogische Psychologie angeboten und vereint deswegen die beiden Bereiche über die Psychologie. Auch das stört mich überhaupt nicht. Auch nicht, dass ich doch noch Klausuren schreiben muss oder dass die vorgestellten Methoden eher quantitativ sind. Warum sollte mich das auch stören? Ich habe auch meine Bachelorarbeit im quantitativen Bereich geschrieben und gehörte zu den wenigen in meinem Bachelor, die ziemlich gut mit SPSS umgehen konnten. Es stört mich überhaupt nicht. Ich arbeite halt nur lieber mit Menschen direkt. Das ist alles. Ich hatte Mathe-LK, verfickt nochmal. Zahlen stören mich nicht. Ich finde es nervig, wenn mir solche Sachen unterstellt werden. Nur weil ich einmal gesagt habe, dass ich lieber Quali mache. Daraus wird einem sofort ein Strick gedreht.
Ein weiterer Punkt in dieser Vertiefungsrichtung ist ein Modul, welches sich mit Kunst beschäftigt. Auch daraus wurde mir sofort ein Strick gedreht, nachdem ich gesagt habe, dass ich damit nichts anfangen kann. Was auch die Wahrheit ist. Ich bin künstlerisch überhaupt nicht begabt und auf den ersten Blick erscheint mir dieses Modul eher wie eine Qual denn eine Freude. Auf den zweiten Blick – nämlich der Blick ins Vorlesungsverzeichnis vom jetzigen Semester – sieht das Modul aus wie etwas, was ziemlich genial sein kann, wenn man die richtigen Veranstaltungen wählt. Vielleicht nicht unbedingt relevant für die Zukunft, aber ziemlich genial, wenn man einfach mal was ausprobieren will. Und eventuell hat man dann noch die Gelegenheit auf eine Exkursion zu gehen. Nope, komme ich mit klar. Wir sprechen uns in einem halben Jahr, wenn ich jammere, dass meine Kurse scheiße sind.

Die Sache ist nur die, ich befasse mich schon länger mit den Vertiefungen und habe „Kultur- und Medienbildung“ von vornherein ausgeschlossen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass es mir für meine Zukunft nutzen würde. Meine Zukunft war immer ein rotes Tuch und jedes Mal, wenn es prekär wurde, schlug meine Depression zu. Jetzt ist es aber so, dass im Lauf des letzten Semesters plötzlich Möglichkeiten aufgetaucht sind, die mir Freiheiten geben.
Ich habe einen wunderbaren Nebenjob, der mir Spaß bereitet und zu dem ich manchmal lieber hingehe als in die Uni. Ich habe mich überwunden und habe angefangen, Sport zu treiben. Seit vier Monaten habe ich vielleicht mal eine Woche ausgesetzt, weil es zu stressig wurde. Zwei Monate sind übrig und dann werde ich die nächste Sportart in Angriff nehmen. Ich sehe inzwischen in den Spiegel und sehe ein Mädchen, dass seinen Körper nicht mehr hasst oder eklig findet. Ich kann mich nackt im Spiegel ansehen und kritisch beurteilen, was ich noch vor mir habe, bin aber fest davon überzeugt, dass ich das schaffe. Ich bin verdammt stolz auf mich. Klar, da wäre noch das Thema Freunde, was mich immer mal wieder belastet. Ich hätte einfach so gerne eine beste Freundin/ einen besten Freund. Einfach wie früher. Das fehlt mir, aber ich weiß, dass ich Freunde habe, die mir helfen, wenn ich sie darum bitte. Und auch meine alten Freunde aus der Schul-/ ha! Kindergartenzeit sind noch da. Auch wenn wir uns nicht oft sehen, wir sind an diesen Abenden, an denen wir uns dann doch sehen, noch genauso eng wie früher. Und wenn ich nächsten Monat Jahrgangstreffen habe, brauche ich keine Angst zu haben, dass ich alleine und einsam dastehe. Ich freue mich riesig drauf. Erst am Donnerstag bin ich in eine alte Mitschülerin von mir gelaufen – im Fitnessstudio. Jetzt tauchen sie plötzlich alle auf. Jetzt, wo ich gekündigt habe! Wir haben uns ein paar Minuten einfach unterhalten. Es war einfach, locker und sie meinte, sie würde sich freuen, mich bald mal wieder zu sehen. Das hat mich wirklich gefreut. Also auch da geht es gut und mein Selbstbewusstsein steigt, sodass ich mich mit Leuten unterhalten kann. Gerade, wenn alle untereinander fremd sind, fällt es mir leicht, ins Gespräch mit anderen zu kommen.

Im vergangenen Semester fielen mir dann zwei Sachen in den Schoß. Zum einen die Möglichkeit eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin zu machen. Dafür habe ich mir auch gleich was zukommen lassen. Man kann nie genug Informationen haben. Mit der Weiterbildung gehen Jobchancen in den Bereichen einher, die mich ansprechen.
Dann entdeckte ich im Internet noch etwas. Die Eröffnung einer Hochschule in meiner Nähe im kommenden Oktober. Nein, ich werde nicht meinen Vorsatz brechen, nicht noch drei Jahre zu verplempern und kein Geld zu verdienen. Aber trotzdem war ich neugierig und las dann, dass es sich hierbei um eine Fern-Uni handelt, die Präsenzveranstaltungen in meiner Nähe anbieten. Und sie bieten Sozial Arbeit berufsbegleitend an. Ich weiß, ich weiß. Das ist extrem anstrengend und wenn mir die Uni so schon manchmal zum Himmel stinkt wie soll das dann sein, wenn mir nicht jemand in den Arsch tritt, dass ich meine Arbeiten erledige. Ich kenne die Risiken, finde aber, dass das eine riesige Chance ist, die mir die Möglichkeit eröffnet, doch in die Richtung zu gehen, die ich mir wünsche und als staatlich anerkannte Sozialarbeiterin arbeiten zu können. Einfach diese Möglichkeit zu haben, ist für mich etwas sehr Wichtiges. Versteht ihr?

Nachdem ich endlich aus dem Loch herausgekommen war, erschien es mir wie ein Wunder, dass ich überlebt habe. Die Narben erinnern mich jeden Tag daran wie verdammt knapp es gewesen ist und dass es Menschen gibt, die nicht immer wohlwollend mit ihren Mitmenschen umgehen. Mir war sofort klar, dass ich nicht in der Lage sein würde als Psychologin jemandem zu helfen, aber das wollte ich irgendwie auch gar nicht. Ich wollte nicht auf diese Art Verantwortung für andere übernehmen, war mir doch klar, dass es womöglich immer ein Kampf für mich sein würde. An manchen Tagen würde ich mich traurig fühlen ohne zu wissen, warum. Manchmal würde ich wütend sein, obwohl nur eine Kleinigkeit passiert ist. Jedenfalls rechnete ich damit, dass meine Gefühle kippen könnten. Dass es heute nicht so ist, erleichtert mich natürlich sehr. Jedenfalls das mit der Wut habe ich deutlich besser im Griff als noch vor vier Jahren. Allerdings gibt es auch heute noch Tage, an denen ich morgens aufwache und traurig bin, mir nicht erklären kann, warum, aber es nicht abschütteln kann, obwohl ich mir sage, dass es keinen Grund gibt.
Das war mir auch damals schon bewusst. Aber ich wollte trotzdem Menschen helfen. Ich wollte Menschen, die nicht mehr wussten, was sie tun sollten, zeigen, dass sie doch mehr Optionen haben, als ihnen bewusst war. Ich wollte verzweifelten Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern nicht die Vergangenheit tot analysieren, sondern ihnen Wege in die Zukunft zeigen. Ihnen verdeutlichen, dass es weitergeht. Wenn ich jemanden gehabt hätte, der mir zur Seite gestanden hätte und rational mit mir die realen Optionen durchgegangen wäre, hätte ich vermutlich nicht all das getan, was ich getan habe. Gerade in der Adoleszenz sind wir so beeinflussbar, weil wir so verletzlich sind. Es gibt so schrecklich viele Entscheidungen, die unser gesamtes Leben beeinflussen können. Unsere Persönlichkeiten sind noch nicht derart gefestigt, dass es uns leicht fällt, unabhängig von anderen wichtige Entscheidungen zu treffen. Es zählt noch, was die anderen von uns denken. Was Freunde für cool halten, Eltern für richtig. Das alles ergibt ein einziges Wirrwarr und plötzlich steht man vor wichtigen Entscheidungen. Mir war eingeimpft worden, dass man sich richtig zu entscheiden hat und dann konsequent zu seinen Entscheidungen stehen muss. Dieses Denken resultierte am Ende darin, dass ich mich nicht traute, den Leuten um mich herum zu sagen, dass ich Fehler gemacht habe. Es resultierte darin, dass mich für Dinge entschuldigte, für die es keinen Grund gab. Ich war so verletzlich in einer Zeit, in der mich meine beste Freundin für eine andere im Stich ließ, meine Eltern zu viele andere Dinge im Kopf hatten und niemand sehen konnte, dass ich gerade falsch abbog. Mein ganzes Leben lang hatte ich immer wieder kleinere Probleme gehabt, die aber nie so ausarteten. Irgendwie regelte sich alles immer. Und dann eines Tages nicht mehr. Ich stand nicht mehr vor halb 12 auf, lernte nicht richtig fürs Abitur, weinte nachts um halb 4 statt zu schlafen, warf mir Tabletten ein, die einen beruhigen sollten und reagierte bei allem über. Die Verletzungen, die ich mir zuführte, schob ich auf das Übliche. Hängengeblieben, sich geratscht haben. Und die Stellen, die ich nicht hätte erklären können, waren sowieso nicht für jedermann sichtbar. Ich erinnere mich daran, dass mich jemand auf eine Verletzung am Handgelenk ansprach. Ich weiß nicht mehr, wer es war. Generell kann ich mich an diese Zeit nicht mehr richtig erinnern. Ich weiß, was passiert ist, aber es ist eher so, als würde ich aus einem fremden Tagebuch lesen statt mich an Geschehenes zu erinnern. Ich meine, es war ein Mädchen. Sie fragte mich, ob ich das selbst gewesen war. Ich weiß noch, dass sie es scherzhaft zu mir sagte, aber in ihren Augen Verunsicherung stand. In den Nächten zuvor hatte ich dieses Teil aus dem Maniküreset so oft über meine Haut gezogen bis sie aufgeritzt war. Ich weiß nicht einmal wie dieses Teil heißt. Vielleicht weiß Google das. Ich glaube, man entfernt die Nagelhaut damit. Es war der Vorläufer des Ritzens, bevor ich mich an echte Rasierklingen traute. Und sie hatte es bemerkt. Hatte bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Aber von meiner Erklärung ließ sie sich beruhigen und keiner fragte mehr danach.
Einige Zeit später registrierte eine alte Freundin in der Schule, dass ich rote Augen und tiefe Ringe darunter hatte. Sie fragte, ob alles okay mit mir war und ich sagte ja. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass so viele Leute im Raum waren. Ich weiß nicht, ob ich es ihr an einem anderen Ort unter zwei Augen anvertraut hätte. Wahrscheinlich nicht.
Es dauerte lange bis ich mir eingestand, dass etwas ganz und gar nicht mit mir stimmte. Mit ihr war es zum Spiel geworden, Diagnosetests zu machen. Wer die schlimmste Krankheit hatte, bekam die Aufmerksamkeit. Sie gewann natürlich immer, obwohl nichts der Wahrheit entsprach, außer vielleicht, dass sie nicht alle Tassen im Schrank hatte. Doch irgendwann wurde aus meiner Sehnsucht nach ihrer Aufmerksamkeit, in dem ich mir Diagnosen zuschrieb, bitterer Ernst und meine Diagnosen Realität. Als ich regelrecht um Hilfe bettelte, wurde sie mir verwährt. Ich sollte sie mir selbst holen, wenn ich sie brauchte. Jetzt sehe ich wie verängstigt meine Eltern waren. Ich weiß noch wie ich im Auto mit ihnen saß, weil wir meine Schwester abholen wollten und ich plötzlich anfing zu schreien, weil die Sonne meiner Haut weh tat. Ich war lichtempfindlich (kein Wunder, wenn man die meiste Zeit am Tag in einem abgedunkelten Zimmer verbrachte) und auch meine Haut fing an zu schmerzen. Ein nicht ganz so häufiges Symptom von Depressionen, das mit einer Hypochondrie gepaart war. Ich hatte panische Angst vor einer tödlichen Krankheit, obwohl ich die doch längst hätte. Selbst als ich den Entschluss gefasst hatte, mein Leben zu beenden, hatte ich noch immer Panik vor einer mich tötenden Krankheit. Was für eine Ironie.

Ich frage mich häufig, ob etwas anders gewesen wäre, wenn ich jemanden gehabt hätte, der wirklich daran interessiert war, mir zu helfen. Natürlich war meine Familie auch daran interessiert, aber sie waren vor Angst wie erstarrt. Ich hatte mir eine Krankheit eingefangen, die lieber tot geschwiegen wird. Für mich sah es dagegen so aus, als würden sie sich für mich schämen. Ich dachte, meine Eltern würden sich fragen, was die Nachbarn wohl sagen würden, wenn ich so etwas Verwerfliches tat wie mein Leben vorzeitig zu beenden. Dass ich ihnen entglitt und sie nicht wussten wie sie mich festhalten sollten, sah und verstand ich nicht. Und ehrlich gesagt war es mir egal. In dieser Zeit war ich ein furchtbarer Mensch. Ich war egoistisch und rachsüchtig. Ich wollte die Menschen büßen lassen, die sich meines Erachtens nicht genug um mich bemüht hatten. Ich wollte ihnen allen sagen, dass sie mich im Stich gelassen hatten. Nur ab und zu hatte ich melancholische Züge. Ich schrieb etwa 20 Abschiedsbriefe und in nur fünf von denen wünschte ich meiner Familie ein glückliches Leben. Ich war so ein furchtbarer Mensch und das Schlimmste ist, ich weiß nicht, ob ich dieses Mädchen überhaupt war. Ich weiß nicht, wo sie anfing und wo ich aufhörte. Ich war eine Marionette, wie eine vom Dämon besessene Puppe.

Wahrscheinlich bin ich ein Sonderfall. Aber ich denke, dass es viele Menschen gibt, die die Orientierung verloren haben und nicht mehr wissen, was richtig ist und was falsch. Und an dieser Stelle möchte ich stehen. Nach meinem Studium hatte sich dieser Gedanke nicht geändert und ich glaube, diese Möglichkeit zu haben, doch noch das zu studieren, was mein Herz gerne möchte, ist einfach eine Erleichterung. Eine Erleichterung, durch die ich bereit bin, in meinem jetzigen Studium nicht das zu wählen, was richtig für meinen zukünftigen Werdegang wäre (und wer weiß, ob das überhaupt stimmt), sondern endlich mal zu machen, was mich interessiert. Natürlich wäre das auch nicht für die Katz. Auf der Homepage steht „Die Vertiefungsrichtung soll Beratern, Gestaltern und Entscheidern im Bildungsbereich Kompetenzen darüber vermitteln, wie man Menschen in verschiedenen Entwicklungsphasen (von der Kindheit bis zum höheren Erwachsenenalter) zu einer kompetenten, d.h. zielführenden, effizienten und „gebildeten“ Teilhabe an einer kulturell, sprachlich und medial verfassten Gesellschaft verhilft.“ Für mich klingt das nicht so, als wäre es am Ziel vorbei. Im Gegenteil. Vielleicht ist es zum ersten Mal in diesem Master etwas, was ich wirklich will und auch gebrauchen kann.

Klingt doch erstmal gar nicht so übel, oder?

Allgemein, Diary

Pläne, die Zukunft und Errungenschaften

Ach herrje, da habe ich ja WordPress mal wieder schleifen lassen. Aber immer wenn ich etwas zu sagen habe, bin ich zu müde zum Schreiben und immer wenn ich wach genug bin, habe ich nichts zu sagen. Der ewige Kreis.

Inzwischen bewegt sich mein zweites Semester im Master auf sein Ende zu und ich könnte es nicht sehnlicher herbeiwünschen. Es ist einfach eine Menge, was gemacht werden muss und dann kommen noch Klausuren und Hausarbeiten. Das schaffe ich schon irgendwie. Man schafft es ja immer irgendwie. Zwar vollkommen gestresst, aber was soll’s. Ist dieses Semester geschafft, befinde ich mich in der Vertiefung und die Hälfte meines Studiums wird vorbei sein. Mal sehen, ob die zweite Hälfte tatsächlich besser wird oder ob ich vom Regen in die Traufe komme. Eins ist sicher, ich ziehe es durch. In mancherlei Hinsicht werden die letzten beiden Semester entspannter sein und das brauche ich wirklich. Meine Einstellung ist zurzeit sehr labil. Ich habe viele gute, glückliche Tage. Aber oft genügt eine Kleinigkeit und der Tag ist für mich gelaufen. Dazu bemerke ich an verschiedenen Abschnitten meines Lebens wie meine Freundlichkeit ausgenutzt oder eher mit Füßen getreten wird. Da habe ich keine Lust mehr drauf. In Zukunft fällt das Wörtchen „Nein“ deutlich häufiger. Ich habe mich lange genug ausnutzen und ausbeuten lassen.

Interessant ist hierbei, dass ich bemerke, wen ich auf Dauer in meinem Leben haben möchte. Das ist etwas Gutes und macht mich tatsächlich ziemlich glücklich. Außerdem kommt im August endlich meine Kindergartenfreundin nach Hause zurück und natürlich haben wir bereits mit den Mädels ausgemacht, dass wir ins Kino gehen und an einem anderen Tag feiern werden. Ich liebe das. Natürlich wünschte ich mir, dass ich viel mehr Zeit mit meiner ehemaligen besten Freundin verbringen könnte, aber es reicht mir eigentlich auch zu wissen, dass wir uns nach Jahren wiedersehen können und es genauso ist wie in der siebten Klasse. Solche Freunde braucht man. Wo wir dann gerade bei Freunden dieser Art sind… Ebenfalls im August findet ja mein Jahrgangstreffen statt und ich könnte mich nicht mehr freuen 🙂 Gestern sah ich am Bahnhof einen alten Mitschüler von mir. Ich hätte ihn begrüßt, aber leider waren wir beide bereits an unseren Autos, einige Meter voneinander entfernt. Trotzdem hatte ich sofort ein kleines Glücksgefühl wie immer, wenn ich meine alten Mitschüler treffen. Trotz der Jahre in denen ich keine Freunde hatte, mich nicht zugehörig gefühlt habe, hatte ich insgesamt eine großartige Schulzeit. Wem ich das zu verdanken habe, weiß ich genau 🙂 und dieses Jahr werde ich erholt sein und nicht gerade frisch aus der Therapie kommen.
Mir geht es gut oder eher: meine Traurigkeit hin und wieder ist keine Anomalie, sondern im gesunden Rahmen. Die Borderline-Tests haben übrigens auch einstimmig entschieden, dass man bei mir nicht mehr von einer Borderline-Persönlichkeit sprechen kann. Das ist verdammt erleichternd. Das stimmt übrigens mit der Aussage meiner ehemaligen Psychiaterin überein. Sie erzählte mir damals in meiner stationären Therapie, dass meine Persönlichkeit noch nicht gefestigt genug ist, um zu befürchten, dass ich auf Dauer eine ausgeprägte Borderline-Persönlichkeitsstörung haben werde. Es sei sogar sehr wahrscheinlich, dass sich diese Persönlichkeit zurückentwickeln werde. Und hier bin ich: Das vierte Jahr clean, mit Shorts oder Kleidern in der Uni, giving a fuck, dass manche Leute meine Narben anstarren. Pfff. Jeder trägt doch sein Gepäck mit sich herum und meine Kriegsverletzungen bezeugen lediglich, dass ich trotzdem überlebt habe.

Und noch dazu komme ich zum Jahrgangstreffen auch einige Kilo leichter. Das macht mich besonders stolz. Als ich anfing, habe ich kaum geglaubt, dass sich was tut. Gestern Abend allerdings zeigte die Waage an, dass ich bereits 17,1 kg abgenommen habe. Gut, heute wird das wieder mehr sein. Ich wiege nach dem Sport immer mehr. Das ist ganz normal. Dazu beachte man den weiblichen Zyklus und schon kann ich mir herleiten, warum ich an manchen Tagen mehr wiege und an anderen mein Gewicht deutlich schneller heruntergeht.

Oh, ihr wundert euch vielleicht, wieso ich hier gerade ziemlich positiv, aber auch angriffslustig schreibe ^^ Das liegt wohl daran, dass ich gerade mit Kopfhörern Fall Out Boy höre. Ich liebe Fall Out Boy. Das hatte ich vergessen. Ähnlich wie ich Simple Plan vergessen hatte und meine frühere Liebe zu Avril Lavigne. Sowas sollte man nie vergessen.

Was gibt es noch Neues? Für mich entwickeln sich gerade Zukunftspläne rapide. Ihr wisst, dass ich Optionen brauche, weil ich sonst schnell in die Verzweiflung gerate. Es ist ja nur noch ein Jahr und dann mache ich meinen Master. Ich zweifele nicht daran, dass ich das schaffen werde. Meine Familie und meine Freunde stehen hinter mir, meine Arbeit, meine Kollegen und meine Vorgesetzten sind großartig (gut, dass ich mich gegen das Praktikum und für den Job entschieden habe ^^) und flexibel und ich kenne mein Durchhaltevermögen. Scheiß auf die erste Hausarbeit, die nicht so gut lief. Zu meiner Erleichterung hörte ich auch von anderen, bei denen es auch nicht so gut lief. Schon fühle ich mich nicht mehr wie ein Idiot. Dieses Semester bekomme ich es besser hin.
Also das wird. Ich bin mir auch sicher, dass ich die richtige Vertiefung wählen werde. Sie spricht mich am meisten an und führt am ehesten in die Richtung, in die ich möchte.
So und danach…Wenn ich das also geschafft habe? Nun ja, da gibt es jetzt mehrere Optionen. Zum einen würde ich für ein paar Monate gerne ein Hilfsprojekt im Ausland unterstützen. Damit komme ich endlich mal weg. Andererseits könnte ich mein gespartes Geld allerdings auch für etwas anderes brauchen. Meine Idee war eigentlich erstmal mich bei der Bundesagentur für Arbeit zu bewerben. Nach der Absage für das duale Studium sagte mir der Personalleiter, dass ich das duale Studium nicht benötige. Ich kann in dem Feld auch mit dem Master anfangen. Das halte ich für einen guten Einstieg. Für wie lange weiß ich natürlich nicht, aber da ich später gerne in einem sozialen Betrieb arbeiten möchte, dachte ich mir, ich könnte während dieser Tätigkeit die Weiterbildung zum systemischen Berater machen. Diese Weiterbildung kann einem schon so manche Tür öffnen. Das wäre schon mal ein Plan.

Jetzt ist es aber so, dass ich eine Schlagzeile gelesen habe, die besagt, dass in der Stadt, in der meine Schwester zurzeit ihre Ausbildung beendet, eine neue Hochschule errichtet wird. Diese Hochschule wird im Herbst diesen Jahres öffnen und hat zunächst alles pädagogische Fächer. Dabei interessiert mich eins besonders: Soziale Arbeit! Es handelt sich dabei um ein berufsbegleitendes Studium. Die Stadt ist jetzt nicht so weit entfernt. Meine Schwester fährt dort täglich hin. Ich sollte mir vielleicht nicht zu große Hoffnungen machen, aber damit eröffnet sich eine neue Möglichkeit, meinen ursprünglichen Traum wahr zu machen. In der sozialen Arbeit wird nicht unbedingt ein Master verlangt. Ja, ich weiß, ich habe gesagt, dass ich nicht noch einen Bachelor mache, aber dabei dachte ich vor allem, dass ich dann wieder in Vollzeit in der Uni sitze, ohne in der Lage zu sein, Geld zu verdienen und in meine Rente einzuzahlen. Ich möchte einfach nicht noch mehr Zeit verschwenden. Natürlich wird ein berufsbegleitendes Studium extrem anstrengend, aber es ist eine Chance. Vielleicht eine kleine, aber nichtsdestotrotz eine vorhandene. Aber erstmal muss ich mich informieren wie das läuft und wie teuer das ist.

Aber bis dahin, ihr Lieben, genießt die Woche und das Wetter.

eure-claudia

Rezensionen, TV

The Guest

 

Ihr kennt mich, nicht wahr? Alle Nase lang sehe ich einen Filme/ eine Serie und dabei sticht mir ein/e Schauspieler/-in so ins Auge, dass ich mich schließlich wie der größte Fan verhalte, alle Filme von der Wikipedia-Filmographie durchsuchte und alles auf Tumblr poste, was irgendwie mit besagter Person zu tun hat. Unter meinen Lieblingen befanden sich zuletzt Tom Hiddleston (Thor, Gefährten, Crimson Peak, The Deep Blue Sea, Unrelated, Kong, …), Sebastian Stan (Captain America, Gossip Girl, Once Upon A Time, The Covenant, Political Animals, Black Swan, The Bronze, …) und Milo Ventimiglia (Gilmore Girls, Heroes, This is Us, Gotham, Pathology, …). Tja, inzwischen habe ich ein neues Opfer und ich bin mir nicht ganz sicher, wer daran Schuld ist. Vielleicht meine Schwester. Sie war es schließlich, die mir immer mit Downton Abbey und Matthew in den Ohren lag. So war mir also der Name Dan Stevens nicht vollkommen unbekannt. Allerdings sind das Welten zwischen dem jungen Cousin Matthew aus der ersten Staffel Downton Abbey (2010) und dem mächtigen Mutanten Legion (2017). Es dauerte übrigens auch bis Folge 4 von Legion, bis ich bemerkte, dass der Protagonist vom gleichen Typen gespielt wird wie Matthew Crawley. Oops.
Da fand ich Dan schon ganz gut. Er sieht irgendwie ganz gut aus. Seine Augen sind ein Traum und wenn er nicht glatt rasiert ist…dayumm. Trotzdem war Legion im Grunde alles, was ich mir mit ihm ansah. Und dann kam Die Schöne und das Biest bei uns ins Kino. Wochen später als in anderen Kinos. Ich schleppte also meine Mutter mit rein, weil alle anderen keinen Bock hatten oder nur in Hannover gucken wollten. Da saßen wir also und mir wurde Dan Stevens unheimliches Talent vor Augen geführt. Und dann singt auch noch das Biest ein Solo. Natürlich hatte mich da dann die Neugierde gepackt und kurze Zeit später hörte ich mir dann den Song auf Englisch an. Ehe ich mich versah, lagen dann auch schon die ersten beiden Staffeln von Downton Abbey (immer die extended Folgen von 90 Minuten Dauer) hinter mir. Spätestens als ich durch die Liste seiner weiteren Filme scrollte, wusste ich, jetzt habe ich ein Problem. Und da sind wir.

The Guest

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Quelle: http://www.filmandtvnow.com/wp-content/uploads/2014/11/TheGuest_BD_steelbook_2D.jpg
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • Produktionsland: USA
  • Regisseur: Adam Wingard
  • Produzent: Jessica & Keith Calder
  • Drehbuch: Simon Barrett
  • Länge: 100 min.
  • FSK: 18
  • Darsteller:
    • Dan Stevens als David Collins
    • Maika Monroe als Anna Peterson
    • Brendan Meyer als Luke Peterson
    • Lance Reddick als Major Richard Carver
    • Ethan Embry als Higgins

Inhalt:

Familie Peterson hat den Verlust ihres Sohnes und Bruders Caleb, der im Krieg gefallen ist, noch lange nicht überwunden. Eines Tages steht der Ex-Soldat David vor der Tür und gibt an, ein guter Freund Calebs und bei seinem Tod dabei gewesen zu sein. David ist ein charmanter junger Mann, der schon bald von der ganzen Familie herzlich aufgenommen wird, mit der Einladung solange zu bleiben wie er möchte. Doch immer häufiger kommt es zu eigenartigen Vorkommnissen rund um die Familie. Tochter Anna wird schließlich misstrauisch und stellt Nachforschungen an. Was sie dabei herausfindet, bringt ihre Familie in schreckliche Gefahr.


Kritik:

Ich hatte nicht vor, den Film zu Ende zu sehen. Aus Neugierde hatte ich bei Amazon Prime auf den Titel geklickt, wollte mir die ersten fünf Minuten ansehen und dann die nächste Folge Downton Abbey anfangen. Ja, das hat nicht so geklappt.

Anfang

Der Zuschauer wird ins kalte Wasser geworfen. Es gibt keine richtige Einleitung, in der man die Familie kennen lernt. In der ersten Szene verabschiedet Mutter Laura ihren Ehemann und ihren Sohn auf den Weg in die Arbeit bzw. die Schule. Man sieht, dass auf einem Regal Bilder stehen, die einen jungen Mann in der Army zeigen. Ein paar Worte verdeutlichen, dass der junge Mann gefallen sein muss. Laura betrachtet die Bilder. Es ist klar, dass sie den Verlust noch nicht überwunden hat. Als nächstes klopft es auch schon an der Tür und ein junger Mann tritt auf, der sich als David vorstellt.
Anfangs war ich schrecklich verwirrt. Die Schauspielerin, welche die Mutter spielt, sieht noch sehr jung aus. Aus diesem Grund musste ich erst die Handlung abwarten, um zu verstehen, dass sie die Mutter des Gefallenen ist und nicht etwa die Schwester. Je weiter der Film voran geht, desto klarer wird jedoch das Bild der Familie. Man könnte sagen, je besser David die Familie kennen lernt, desto besser kennt sie auch der Zuschauer.

Charaktere

Der Antagonist ist David. Das ist kein Spoiler, sondern von vornherein klar. Er ist der Gast, The Guest. Doch Dan Stevens verleiht David einfach etwas, was ihn sympathisch und liebenswert macht. Gut, ich stelle einen Sonderfall dar. Ich bin fast schon besessen von Mr. Stevens und würde es vermutlich schon bezaubernd finden, wenn er in der Nase popelt. 😝 Trotzdem empfand ich David weniger als Feind denn als mein heimlicher Held im Film. Nachdem ich einige Kritiken des Filmes sowie Zusatzinformationen gelesen habe, weiß ich, dass ich nicht als einzige so tumblr_nhsnsussgd1tdo66yo1_400empfunden habe und dass das Ziel des Films war. David ist nicht der Held! Aber der Zuschauer steht trotzdem auf seiner Seite. Dazu kommt noch, dass Dan David eine gehörige Menge an Sexappeal verpasst, sodass ich wie gebannt vor dem Bildschirm saß. Sei es, weil er jemandem den Schädel eingeschlagen hat oder bloß in der Gegend herumgeguckt hat.
Wie ihr glaubt mir nicht? Seht selbst! umqxddr

Aber auch Maika Monroe war extrem gut in ihrer Rolle. Bei ihr merkt man sofort in welchem Zwiespalt sie steckt. Zum einen ist sie zu Beginn zwar nicht misstrauisch, aber definitiv nicht daran interessiert, dass ein Fremder bei ihr Zuhause herumläuft und sie ihn teilweise sogar babysitten muss. David gelingt es mit der Zeit auch bei ihr, dass sie beginnt ihn zu mögen. Zwischen den beiden bemerkt der Zuschauer immer wieder eine sexuelle Anziehung. Dazu mischt sich bald jedoch auch das Misstrauen und die Angst, durch die die Anziehung bald nur noch in den Augen des Zuschauers sichtbar ist. Maika bringt die Emotionen grandios rüber.

Handlung

Ich habe jetzt schon häufiger die Erfahrung gemacht, dass ich Filme besonders mag, wenn ich zu Beginn des Films nicht sicher bin, ob ich den Film gut finde oder nicht. Wenn irgendwas mich daran hindert, abzustellen und ich weitersehe, obwohl ein Teil von mir verwirrt von der Handlung ist.
Genauso war es beim Ansehen von The Guest. Zunächst verwirrte mich die Familienzusammenstellung. Ich wusste nicht genau wie der Verstorbene da rein gehörte. Dann kamen immer wieder zwischendrin Fragen auf, die ich mir bis jetzt nicht beantworten kann. Ich verstehe noch immer nicht, wieso die Handlung so abgelaufen ist und worum David überhaupt zur Familie Peterson kommt. Aber ich schätze, diese Löcher sind es, die mich so an dem Film faszinieren. Es bleibt so viel Spielraum, dass man sich selbst den Hintergrund von David ausdenken und sich seine Intentionen überlegen kann. Wie ich gelesen habe, gab es ursprünglich im Film Szenen, die Davids Hintergrund erklärt und ausgefüllt haben. Diese Szenen wurden jedoch herausgenommen, da die Zuschauer beim Test-Screening diese Informationen als zu viel wahrgenommen haben. Auch den Regisseuren und Produzenten gefielt die Geschichte ohne diese Details besser. Mich lässt das zwiegespalten zurück. Zum einen finde ich es gut, dass sie so viel offen gelassen haben. Zum anderen interessieren mich Hintergrundgeschichten aber brennend und ich würde zu gerne wissen, wieso David so ist wie er ist. Leider befürchte ich, dass diese Szenen auch nicht auf der Bluray zu finden sein werden. Also bleibt nur meine Fantasie.

Besonderes

Besonderes Schmankerl in diesem Film ist die Stimmung. Zusammen mit dem wirklich guten Soundtrack bekommt man das Gefühl einen 80er Jahre Kultklassiker anzusehen. Der ganze Vibe dieses Films ist etwas altmodisch, aber dadurch halt auch verdammt cool.


Fazit

Ich finde den Film toll. Leider heißt das nicht sofort, dass der besonders gut ist. Ich mag teilweise auch richtig schlechte Filme. Gut, das ist jetzt auch kein besonders schlechter Film. Aber besonders gut ist er auch nicht. Ich denke, die Mitte trifft es ganz gut. Obwohl ich wirklich damit schwanke, ob ich drei oder vier Sterne geben sollte. Dan Stevens ist einfach fabelhaft und ich freue mich schon darauf noch viel, viel mehr von ihm zu sehen. The Guest ist ein Film, der durch seine Atmosphäre, den Soundtrack und den Hauptdarsteller eine verdammt gute Basis geschaffen hat. Und ich liebe Filme und Serien, in denen ich den Bösewicht viel besser finde als den Helden (siehe Thor oder Hannibal). Genauso ist es hier auch und das finde ich großartig.
Was mich immer noch stutzen lässt, ist, dass ich einfach einige Lücken finde, die ich nicht verstehe bzw. kein Material zum Schließen finde. Auch eine FSK 18 kann ich nicht ganz nachvollziehen. Da habe ich schon deutlich Schlimmeres mit mehr Mord und Totschlag und mehr Sex gesehen, was eine geringere Einstufung hatte.

Aber was soll’s.

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Das ist so ein gutes Argument. 🤤 Vier Sterne. Du hast mich überzeugt. 😌 

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eure-claudia

Allgemein, Diary

Happy Birthday to me

Hallo ihr Lieben,
ich lasse auch mal wieder was von mir hören. Wird auch Zeit. Und dafür habe ich mir meinen Geburtstag herausgesucht, der ehrlich nicht anders war als jeder andere Tag. Keiner war jetzt außergewöhnlich nett zu mir. Es haben mir auch nicht so viele gratuliert, aber egal.

Dank Christi Himmelfahrt hatten wir ja ein schönes langes Wochenende, welches ich genutzt habe, um mich teils auszuruhen, teils etwas für die Uni zu machen und teils im und ums Haus zu helfen. Am Freitag und Samstag wurde gemäht. Einmal beim Haus meiner Großeltern, wo dieses Bild entstanden ist:
DSC_1607Bei meinen Großeltern im Garten ist alles so schön grün und bewachsen. Teilweise zu bewachsen, aber mir gefällt es. Trotz der Arbeit war es ein schöner Tag. Samstag wurde dann unser eigener Rasen gemäht und am Nachmittag setzte ich mich nach draußen, um für ein Referat in einigen Wochen etwas vorzubereiten.

Ich bin noch immer total überfordert mit der Uni und weiß nicht so recht, wohin meine Reise gehen soll. Zurzeit bin ich einfach sehr unzufrieden mit meiner Wahl und den Inhalten des Studiums. Die Recherche für das Referat war jetzt auch nicht hilfreich, weil das Thema überhaupt nichts mit dem Studium zu tun haben soll. So sind wir in der Geschichte gelandet und das erinnert mich daran, dass ich eigentlich lieber etwas mit Geschichte und Kultur hätte studieren sollen. In der Ferne sehe ich die Ethnologie mir zuwinken und mich auslachen, weil ich sie nicht gewählt habe und jetzt so unzufrieden bin.

Zu meinem Geburtstag heute bekam ich eine Karte mit Geld von meinen Eltern. Meine Mutter hatte sogar noch in die Karte geschrieben, dass sie mich bei jeder meiner Entscheidungen unterstützen werden. Ganz egal, ob ich jetzt sage, ich breche ab und studiere was anderes oder ob ich diesen Weg zunächst weitergehe. Das hatte den Hintergrund, dass ich Freitagmorgen plötzlich beim Frühstück in Tränen ausgebrochen bin und mich weigerte zu essen. Seit Tagen bewegt sich die Zahl auf der Waage wieder nach oben. Dazu kam der Druck in der Uni, meine Versagensängste und die bereits schlechte Note in der Hausarbeit et voilá – da haben wir ein aufgelöstes Mädchen. Meine Mutter stocherte dann solange herum, bis ich endlich mit der Sprache herausrückte, dass mir die Uni keinen Spaß macht und ich mein Studium sogar hasse. Für die Ehrlichkeit gab es eine Umarmung. Ich schätze, sie war fast schon ein wenig erleichtert. Sie hatte wohl mit mehr gerechnet.
Anscheinend hatte sie sich an meine Worte erinnert, als sie mir diese Karte schrieb. Dass sie das so sehen, finde ich sehr erleichternd.

Heute morgen wachte ich auf wie jeden Morgen. Mit einer Melancholie. So geht es mir sehr häufig. Manche Leute wachsen unheimlich glücklich auf, bis die Realität ihnen ins Bewusstsein dringt. Ich dagegen wache depressiv auf. An den guten Tagen reicht diese Traurigkeit nur an bis mir bewusst wird, dass im Moment bei mir alles in Ordnung ist und ich vielleicht sogar stolz auf mich sein kann. Dann wird es wieder besser. Im Moment bleibt mir dieses Gefühl jedoch erhalten. Der erste Blick aufs Handy zeigte mir…nichts. Dann sah ich die erste Nachricht zum Geburtstag und das ausgerechnet von einem Mädchen, mit dem ich schon seit über fünf Jahren keinen richtigen Kontakt mehr hatte. Wer hätte das gedacht?
Eine Weile spielte ich noch am Handy rum, auf dem keine Nachrichten waren. Dann legte ich es bis zum Mittag beiseite. Gegen 8 Uhr kam meine Mutter herein und brachte mir sogar ein Ständchen. Leider war meine Laune noch immer auf der Höhe, dass ich lieber im Bett geblieben wäre. Ich hatte mir nichts zum Geburtstag gewünscht, gefeiert wird erst Freitag bzw. Montag. Aber unten wartete eine leckere Torte auf mich, die mir meine Schwester gebacken hatte. Ihr seht sie unten auf dem Bild. Kokos mit Erdbeere. Ich liebe Kokos und Raffaelo. Also Volltreffer. Auf mich wartete auch noch ein ziemlich großes, unhandliches Paket, zwei Umschläge und eine Packung Schokolade. Der eine Umschlag enthielt die bereits oben genannte Karte, die andere eine Eintrittskarte für ein Theaterstück, zu dem ich mit meinen Eltern Anfang 2018 fahre. Ich freue mich da schon drauf. Allerdings war das keine Überraschung. Genauso wie die Blume, die noch auf dem Tisch stand, hatte ich mir das Stück selbst ausgesucht. In dem großen Paket fand ich einen Einlegeboden für mein Regal. Damit hatte ich nicht gerechnet und es freute mich schon sehr, dass meine Mutter wohl doch zugehört hatte, als ich davon erzählte, dass mir der Platz mal wieder zur Neige geht. Als nächstes kam mein Bruder, der mir ein paar Bonbons mitbrachte. Das Geschenk bekomme ich erst am Freitag, wenn seine Freundin auch da ist. Nach dem Frühstück kamen dann auch meine Schwester und mein Schwager herunter. Sie hatte zwar den Kuchen heruntergebracht, wollte aber nicht mit uns frühstücken. Von den beiden (oder eher von meiner Schwester) bekam ich ein neues Portemonnaie und den Abschlussband einer Buchreihe, die ich gemeinsam mit meiner Schwester gerade lese.

Den Vormittag verbrachte ich weitestgehend mit Backen. Morgen in die Arbeit muss ich einen Kuchen mitbringen. Eigentlich war was Großes geplant. So eine Torte wie meine Schwester mir gebacken hat. Aber nachdem ich mehrmals was mitgebracht habe – sowohl Kuchen als auch Süßigkeiten – und die meisten einfach dermaßen undankbar sind, alles wegfressen, kaum aber ein Dankeschön herausbringen können, sehe ich es nicht mehr ein, mir diese Arbeit zu machen. Okay, der Kuchen war auch Arbeit. Das ist mein erster veganer Kuchen, den ich je gebacken habe. Grund dafür ist eine Arbeitskollegin, mit der ich mich ganz gut verstehe und die leider laktoseintolerant. Sie konnte deswegen keinen einzigen meiner Kuchen probieren. Dieses Mal habe ich dran gedacht und gleich vegan gebacken. Zebrakuchen nennt sich dieses Gebilde. Mal sehen wie er schmeckt. Ich hatte nur die Gelegenheit den Teig zu überprüfen. Der war jedenfalls essbar. (Bild o.r.)

Als ich damit fertig war, habe ich für meinen Papa, der morgen Geburtstag hat, die Muffins und Teddys gebacken, die ihr auf dem letzten Bild seht. Er isst nicht so gerne Kuchen, oder eher: er versucht sich zurückzuhalten. Also gibt es Muffins. Auch hier habe ich statt der Kuhmilch Sojamilch verwendet. Der Teig schmeckte ziemlich gut. Wahrscheinlich also auch die Muffins. Die Hälfte der Muffins nehme ich morgen auch noch mit sowie einen Teddy.

Morgen in der Uni muss ich eine Stunde durchführen. Ich habe in meiner Gruppe einen relativ kleinen Teil. Also wird das schon werden. Wahrscheinlich werde ich auch den letzten Kurs ausfallen lassen, damit ich morgen noch was von meinem Vater habe.

Bis dahin,

eure-claudia